11. August 2026
Im oberfränkischen Hirschfeld wurde bereits 2007 mit der Planung eines Wärmenetzes mit regionalen Hackschnitzeln begonnen, das dann zwei Jahre später in Betrieb genommen wurde. Zu dieser Zeit befand sich die kommunale Wärmeplanung noch in den Anfängen. Für das Projekt wurde eine Genossenschaft gegründet, die Dorfheizung Hirschfeld eG. In dem 450-Einwohner-Ort, der zur Gemeinde Steinbach am Wald gehört, werden seitdem zwei Hackschnitzelkessel betrieben. Die beiden Kessel haben eine Leistung von 500 und 380 kW. Das etwa drei Kilometer lange Netz versorgt rund 50 Haushalte. Größere Abnehmer sind eine Tagespflege des Bayerischen Roten Kreuzes mit zwei zusätzlichen Wohnungen und eine Kirche. Der erneuerbare Brennstoff für das Nahwärmenetz stammt vom vor Ort ansässigen Unternehmen Wicklein Wood & Energy GmbH und ist vom Deutschen Pelletinstitut (DEPI) ENplus-zertifiziert.
Der Ort ist damit bereits vor der verpflichtenden kommunalen Wärmeplanung bestens auf den Umstieg von Öl und Gas auf erneuerbare Energien vorbereitet. Reiner Wicklein, Vorsitzender der Dorfheizung Hirschfeld eG, setzt dabei auf ENplus-zertifizierte Hackschnitzel. Warum die Brennstoffqualität entscheidend ist, verrät er im Gespräch.
Kleinere Kommunen sind verpflichtet, in diesem Jahr einen Plan zur kommunalen Wärmeplanung vorzulegen. Sie haben im oberfränkischen Hirschfeld bereits 2009 ein Nahwärmenetz aufgebaut. Wie kam es dazu?
Reiner Wicklein: Die Energievision Oberfranken – bestehend aus Ingenieuren, die sich auf Klimaschutz und regenerative Energienutzung spezialisiert haben – ist 2007 auf uns zugekommen mit der Idee, ein Nahwärmenetz zu planen. Die Ortschaft Effelter hier aus der Umgebung war mit gutem Beispiel voran gegangen und hatte ihr Netz bereits in Betrieb genommen. Es wurden Umfragen in unserer Gemeinde durchgeführt, ob überhaupt Interesse bestehen würde. Dann wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt und nach unzähligen Versammlungen und der Gründung einer Genossenschaft ging es dann im Oktober 2009 los.
Das Heizen mit moderner Holzenergie ist heute sowohl bei Besitzern von Einfamilienhäusern als auch Betreibern größerer Anlagen beliebt. Damals war die Technologie allerdings noch nicht so verbreitet. Wie kam es zu der Entscheidung für eine Holzhackschnitzelanlage?
Wicklein: Die Entscheidung fiel auf Hackschnitzel, da der Frankenwald ein sehr waldreiches Gebiet ist. Dies stellt eine Lieferung des Brennstoffes mit kurzen Wegen sicher. Mittlerweile haben sich die Bestände aufgrund der „Käferjahre“ etwas verringert – trotz allem steht in der Region ausreichend Rohstoff zur Verfügung. Auch der deutliche Preisvorteil gegenüber Heizöl trug zu dieser Entscheidung bei.
Sie beliefern neben verschiedenen Wohngebäuden auch eine Kirche mit Wärme. Gibt es bei den unterschiedlichen Gebäuden und ihren Anforderungen besondere Herausforderungen?
Wicklein: Egal ob ein Wohnhaus oder ein größeres Gebäude wie bei uns die Kirche oder die BRK-Tagespflege in der Alten Schule – das macht in der Praxis für uns keinen Unterschied. Der Anschluss unterscheidet sich nur durch die Dimension der Rohre, die nach der Wärmeplanung für die Gebäude berechnet werden. So ein Nahwärmenetz mit Hackschnitzeln eignet sich für alle Arten von Gebäuden!
Je besser die Hackschnitzel, desto weniger Probleme gibt es im Betrieb!
- Reiner Wicklein
Worauf achten Sie beim Brennstoffkauf?
Wicklein: Natürlich schauen wir als Unternehmen auf den Preis, entscheidend für den Brennstoffkauf ist aber in erster Linie die Qualität. Daher setzen wir auf Hackschnitzel mit ENplus-Zertifizierung. So können wir sicher sein, dass die Ware hochwertig ist und die Anlage zuverlässig läuft! Wir versuchen auch, auf kurze Transportwege zu achten.
Warum ist die Qualität der Hackschnitzel so entscheidend? Kann man sagen: Gute Hackschnitzel = weniger Probleme?
Wicklein: Das trifft es auf den Punkt. Je besser die Hackschnitzel, desto weniger Probleme gibt es im Betrieb!
Was passiert, wenn die Qualität nicht stimmt? Merkt man im Betrieb sofort Unterschiede bei schlechter Ware?
Wicklein: Bei schlechter Ware kann es mehr Störungen im Heizbetrieb geben. Der Ascheanteil erhöht sich und wenn das Material feuchter ist, kommt es zu einer erhöhten Schlackebildung.
Wie wirkt sich gute Qualität auf den Wirkungsgrad und die Emissionen aus?
Wicklein: Bei den zertifizierten Holzhackschnitzeln ist der Wirkungsgrad deutlich stabiler als bei feuchter oder ungesiebter Ware. Die garantierte ENplus-Qualität sorgt für eine saubere Verbrennung, was sich direkt mindernd auf die Emissionen auswirkt.
Würden Sie ENplus-zertifizierte Qualitätshackschnitzel weiterempfehlen?
Wicklein: Auf jeden Fall. ENplus-Hackschnitzel müssen noch strengere Grenzwerte einhalten als die DIN-Norm vorgibt. Die Qualität wird vom Rohstoff bis zur Auslieferung beim Kunden streng überwacht und protokolliert. Es werden regelmäßig Proben genommen, die im Labor ausgewertet werden. So bin ich als Kunde auf der sicheren Seite.
Würden Sie das Projekt wieder genauso planen und umsetzen?
Wicklein: Wir haben natürlich viel dazugelernt im Laufe des Prozesses. Ich würde daher empfehlen, sich bei Projekten in dieser Größenordnung einen Projektpartner mit viel praktischer Erfahrung zu suchen.
Welche Rolle hat die Nahwärme Ihrer Meinung nach in der Energiewende?
Wicklein: Sie spielt mit Sicherheit eine große Rolle, wird aber noch zu wenig geschätzt! Man könnte auch hier in Hirschfeld viel mehr daraus machen, wenn der große Solarpark und unsere drei Windräder mit eingebunden wären.
Was würden Sie anderen Kommunen empfehlen?
Wicklein: Man sollte sich verschiedene Projekte, die bereits in Betrieb sind, anschauen und mit den Betreibern bzw. Projektgestaltern in den Austausch gehen. Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll!
Um Kommunen den Einkauf zu erleichtern, bietet das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) eine kostenlose und rechtlich geprüfte Vorlage für Ausschreibungen an.
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